12. Oktober 2015

Call of Duty: Black Ops 3 - Die offene Struktur der Kampagne

Eigentlich soll es laut des Konsens' im Internet Leute wie mich gar nicht geben. Immerhin spiele ich Call of Duty ausschließlich für die Einzelspielererfahrung. Ich glaube, den Mutliplayer-Modus der Serie habe ich zuletzt bei Modern Warfare 2 angefasst und bereits nach ein paar Runden wieder aufgehört. Zusammen mit anderen Leuten habe ich nur koop gespielt. Die Spec-Ops-Herausforderungen waren immer ein bis zwei schlaflose Nächte wert und auch der Zombie-Modus konnte mich in den letzten Treyarch-Iterationen für einige Stunden begeistern. Doch gekauft und gespielt habe ich die Reihe immer für den Singleplayer-Modus. Da mag manch einer enttäuscht mit dem Kopf schütteln und in Bezug auf vereinzelte Serienvertreter *hust*Ghosts*hust* kann ich das sogar nachvollziehen.

Aber im Normalfall geben mir die Kampagnen genau das, was ich möchte: einen Abend Bombast-Action zum Entspannen. Genau das scheint mir auch Black Ops 3 zu geben, nur war ich nach der ausführlichen Präsentation vergangenen Monat ziemlich überrascht, wie sehr mich Director Jason Blundell von der Handlung und dem Setting begeistern konnte.

„Mittlerweile gibt es schon den ersten Soldaten, der mit seiner Beinprothese zurück in den Dienst konnte", erzählt Blundell und schwärmt von den Wundern moderner Technik. „Dabei ist es gerade einmal 2015. Stellt euch vor, was in den nächsten 50 Jahren alles passieren kann. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Soldaten aktiv zu Augmentationen ihres Körpers greifen, sollte es ihnen einen Vorteil bringen."

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Alle neuen Aspekte von Black Ops 3 teilen sich das gemeinsame Ziel der persönlichen Nutzeranpassung.

Dieser Gedankengang bildet den Startpunkt der Geschichte. Im Jahr 2065 sind Anti-Luftwaffen so weit perfektioniert, dass Gefechte hauptsächlich am Boden geführt werden, wodurch die Nachfrage hochqualifizierter Einsatzkräfte steigt. Dementsprechend stark ist der Drang zur technischen Optimierung des eigenen Körpers, um sich auf dem Schlachtfeld einen Vorteil zu verschaffen. Hier können wie in einem Deus Ex interessante Fragen aufgeworfen und komplizierte Thematiken behandelt werden. Ich weiß, schon die ersten beiden Black-Ops-Teile basierten auf vielversprechenden Hintergründen, deren volles Potenzial nie ausgeschöpft wurde.

In gewisser Weise verständlich, will man das Ganze schließlich in ein sechsstündiges Abenteuer packen. Zwangsweise gerät der Titel aber so mit dem auf pausenlose Action fokussierten Spielprinzip in Konflikt und lässt viele Informationen einfach fallen. Letztendlich entsteht so eine verwirrende Struktur. Schnell vergisst man wichtige Personen, verliert den Überblick und damit gleichzeitig das Interesse. So erging es auch mir öfter. Zu viele Fraktionen, zu viele bereits im Universum etablierte Figuren, die ich im Gegensatz zu meiner Spielfigur nicht kenne, und dazwischen ein Haufen Schusseinlagen. Selbst mit an den Kopf gehaltener Pistole könnte ich keine Handlung der Reihe auch nur grob rezitieren.

Genau deswegen wählt Black Ops 3 den in meinen Augen richtigen Weg und macht sich diesen Schwachpunkt zunutze. Innerhalb der Geschichte werden Charaktere an verschiedene Informationsterminals gebunden, wodurch auch ihre Wahrnehmung verändert werden kann. Genau wie der Spieler fragen sich die Figuren mit der Zeit, ob sie ihren Sinnen trauen können. Natürlich kann ein solcher Ansatz komplett in die Hose gehen und das Debakel unverständlicher Handlungsstränge noch weiter verschlimmern. Aber zumindest der Versuch, Strukturprobleme nicht zu bekämpfen, sondern sie aktiv für die Erzählung zu nutzen, zeugt von einer löblichen Selbstwahrnemung.

Quelle: Eurogamer.de

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