16. Mńrz 2015

Dark Souls 2: Scholar of the First Sin haut alles wild durcheinander

Zuerst das Wichtigste: Scholar of the First Sin ist kein Grafik-Upgrade, das Dark Souls 2 an die inzwischen fast ber├╝hmte, irgendwo vom Lkw gefallene New-York-Variante heranr├╝ckt. Die bleiben uns From Software und Namco wohl auf ewig schuldig. (Die erste Pr├Ąsentation des zweiten Teils fand 2013 in New York statt und zeigte h├╝bschere Oberfl├Ąchenstrukturen und Beleuchtungseffekte als das finale Spiel.) Als vor Kurzem eine PS4-Version ankam, war ich nach gedanklichem Abschluss mit Drangleic und ├╝ber 200 Stunden nicht gerade ├╝bereifrig.

1

Zur├╝ck in der Zuflucht der Mutlosen. Bereits auf dem kurzen Weg hierher merkt man, wie viel From Software seit seinem ersten Entwurf von Dark Souls 2 ver├Ąndert hat.

Ich wollte nur schnell eine Antwort: Wie sieht's auf den neuen Konsolen aus? Wie auf dem PC eben, und selbst das w├╝rde ich unter Ber├╝cksichtigung erweiternder Mods erst einmal relativieren, bis Digital Foundry mit allen Details zur Stelle ist. Insofern hat sich f├╝r Konsolenspieler das Warten auf die Technik der Current-Gen-Versionen besonders im Hinblick auf 1080p und 60 Frames pro Sekunde bezahlt gemacht. Letztere h├Ąlt das Spiel nicht durchgehend, Schluckauf kann vorkommen, zum Gl├╝ck nicht allzu oft.

Auf den zweiten Blick zeigen die Oberfl├Ąchen etwas weniger Blur und mehr Details, doch nie so viel, dass man vergessen k├Ânnte, welches Entwicklerstudio hier am Werk war. Das Spiel ist mit ausgepr├Ągtem Detailblick immer noch keine Sch├Ânheit. Sein Ursprungsmaterial wurde eben im Flaschenhals der alten Konsolen entworfen und hat den Stein nach wie vor zu schleppen. Trotzdem, einmal die PS4-Version ausprobiert, will man nicht mehr zur├╝ck. Abseits von diesem Schritt darf man keinen augen├Âffnenden GTA-5-Effekt erwarten. Was wir letzte Woche von Bloodborne spielen konnten, ist optisch eine ganz andere Klasse (sowohl generell als auch f├╝r From Software).

Dann die Momente beim Weg zum Soldier's-Rest-Leuchtfeuer, wo es seine sch├Ânen Schattenseiten zeigt. Fackel anz├╝nden, Treppe runter und wohooo, die Eisentracht-Ritter im Kellergeschoss haben ihre Zelte zugunsten von Skeletten abgebrochen. Die Fackel ist diesmal hilfreicher, nach wie vor aber nicht elementar, das Dunkel in den Ecken bedrohlicher und die ganze Szenerie halb beleuchteter Schutthaufen einfach packender.

2

Die Beleuchtung ist eine Ecke besser und stimmiger. Besonders im Loch.

Das Loch unter dem Heiligengrab ist mehr noch als im Urspiel einfach nur, wonach es klingt: stockdunkel und voll mit morschen Eingeweiden in Form von Bretterbuden. Bei der Ankunft wunderte ich mich ├╝ber kleine leuchtende Punkte in der Ferne, das einzig Sichtbare inmitten dieser Schw├Ąrze. Es waren die Fackeln der ruhelos umherwandernden Untoten. Eine sch├Âne Sache, und wenn ich an die im Paket enthaltenen DLCs denke - besonders Sunken und Iron King mit ihren in Finsternis eingemurmelten Gebieten -, wird mir warm ums Herz.

Wie gesagt, wollte nur kurz eine Antwort. Und trotzdem blieb ich die ganze Nacht, vom Letzten Riesen bis zum Verkommenen, der S├╝nderin und der Liebsten des Herzogs. So schnell nicht aufh├Âren zu k├Ânnen, wenn man erst mal "drin" ist, das spricht f├╝r die G├╝te eines Dark Souls 2. Und letztlich sind es unz├Ąhlige neue Randdetails und Fixes in Scholar of the First Sin, die dem bekannten Spielgef├╝hl einen netten Drall geben. Auf oberster Ebene bedeutet das eine Umstellung f├╝r jeden, der die Fundorte von Schl├╝ssel, Estus-Scherben, Waffen und Ringen auswendig kennt. Vieles liegt nicht mehr am angestammten Platz. F├╝r From Software bedeutete dieser Port auch ├ťberlegungen, wie man die Umwelt besser mit der ihr ureigenen Geschichte verkn├╝pfen kann.

Wer sich fragte, wieso man die W├Ąchterdrachen-Parma auf dem Weg von Majula zum Flammenturm so nebenbei abgreift, statt sie aus einem Drachenrachen zu pfl├╝cken, muss nur mal einen Blick in Richtung der Blauen Kathedrale werfen. Davor schlummern neuerdings vier geschuppte und gefl├╝gelte Tonnen Gewicht, bis es jemand schafft, an all den hier Stellung haltenden Heide-Rittern vorbeizukommen.

3

Und wieder ein Neuer.

War der Weg zum Drachent├Âter einst mit Fersengeld durchaus zu berappen, m├╝sst ihr euch jetzt durchk├Ąmpfen. Zumal sich diese vier m├╝den Tonnen feuerspuckend aufrichten und erst nach einem z├Ąhen Kampf den Hebel zum Absenken der Br├╝cke freigeben. Andererseits: Drachen, ach Mann, warum m├╝ssen es immer Drachen sein? Ist ja nicht so, dass Dark Souls nicht genug davon h├Ątte.

Was es ebenfalls hat, nicht nur in Heides Turm: eine Neupositionierung vieler Gegner und Finstergeister, die traumwandlerisch-sicher durch Drangleic ziehenden Spielern die Beine wegkn├╝ppeln. Einerseits, um unfertige, abgeschnitten wirkende Ecken reizvoller zu machen. Andererseits, um Profis in einen neuen Rhythmus einzuspannen. Ich w├Ąre gern dabei gewesen, als die Entwickler ├ťberlegungen anstellten wie: "Also... lasst uns den Zellenschl├╝ssel im J├Ągerhain woanders verstecken und ├╝ber dem Verschlag, in dem man ihn fand, einen Giftschmetterling platzieren". Vermutlich klatschten viele f├╝r die Idee und jemand warf ein: "Ja, und wir haben doch damals im Wald der Riesen, wenn man die erste Leiter hochklettert, ein paar Hansels als Gegner gesetzt. Machen wir zw├Âlf draus. Sicher ist sicher". Weiteres Klatschen. "Wenn ich genau dar├╝ber nachdenke, waren vielleicht auch die Armbrustsch├╝tzen am S├╝nderh├╝gel-Leuchtfeuer kein so brillanter Einfall."

4

Nein, sch├Ân ist Dark Souls 2 nach wie vor nicht, aber so atmosph├Ąrisch und ansehnlich wie nie zuvor.

Insgesamt spielt sich Scholar of the First Sin fordernder und ├╝berraschender. Es siebt schon fr├╝her mit gr├Â├čeren, aktiver im Level t├Ątigen und sogar neuen Gegnern entlang des Weges aus, bleibt so aber auf lange Sicht interessanter und lebendiger. Der Spannung wegen sage ich ├╝ber den brandneuen, rundum verbesserten "Verfolger" nur, dass er sich deutlich bedrohlicher ins Spielgeschehen einf├╝gt, mit dem, was sein Name verspricht. Neulinge bekommen, was From Software wohl als ultimative Version von Dark Souls 2 im Sinn hatte. Quasi Dark Souls 2: Master Quest oder Super Dark Souls 2. F├╝r alle anderen stecken genug ├ťberraschungen drin, die wenigstens das kostenlos herunterladbare Inhalts-Upgrade f├╝r die alten Konsolen wert sein d├╝rften.

Offenbar haben die Entwickler auch ein paar Mal geh├Ârt, die Idee mit den Duftzweigen sei prima gewesen, und kurzerhand fundamentale Pfade mit neuen Statuen blockiert. Es gibt jetzt mehr Zweige, logisch, und f├╝r jeden zus├Ątzlich geopferten erhielt ich etwas Wertvolles, kein bl├Âdes L├Âwenmagier-Set. Womit wir wieder bei der Renovierung der im Original manchmal recht merkw├╝rdig abgeschnittenen Areale w├Ąren. Scholar of the First Sinn nutzt sie besser im Sinne der Spielerfahrung, auch wenn es nat├╝rlich nicht verstecken kann, dass in so manchem Gebiet urspr├╝nglich mehr geplant war. Es hat unz├Ąhlige Neuerungen, einige klein, andere gewaltig, dass man selbst als erfahrener Drangleic-Tourist ins Wow!-en ger├Ąt. Es kann einige seiner konzeptionellen Fehlgriffe nicht r├╝ckg├Ąngig machen. Aber es ist immer noch eine ganz eigene Klasse von Spiel.

Quelle: Eurogamer.de

Fachgeschäftsuche

McMEDIA Gamestores:

Weitere idee+spiel-Marken:

  • idee+spiel
  • AUTODROM
  • EUROTRAIN
  • HOBBYTEC
  • smARToys