09. März 2015

Borderlands: Handsome Collection - Voll schick, aber im Vier-Spieler-Splitscreen wird's eng

Die LĂŒcke zwischen 30 und 60 rĂŒttelfesten Bildern pro Sekunde mag je nach persönlicher Überzeugung mehr oder weniger stark ins Gewicht fallen, aber gut und problemlos spielbar ist prinzipiell zunĂ€chst beides. Geht es dann unter die 20-FPS-Marke, braucht man entweder LeidensfĂ€higkeit ("Ey, Stalker lĂ€uft mit einer Radeon 9700 prima, guck doch selber...") oder einfach GenĂŒgsamkeit. Die fĂŒr PS4 und Xbox One erscheinende Borderlands-Handsome-Collection lĂ€sst euch all diese Abstufungen durchleben, wie zwei Stunden mit der PS4-Fassung zeigen.

Marodiert ihr allein durch die pulpigen Vulkan- und Mondlandschaften, unterscheiden sich die neuen Konsolenversionen nur noch durch fehlende Optionen zur erweiterten KantenglĂ€ttung vom PC, der Borderlands 2 und The Pre-Sequel seit jeher in 1080p und 60 Bildern darstellt. Und so hĂŒbsch, wie es die Systemausstattung zulĂ€sst. Wer dort spielt, braucht keine Handsome-Collection, aber ich denke, das wusstet ihr auch vorher, nicht? Die ausprobierte PS4-Version sieht wunderbar scharf aus, wie man es von einem technisch keine allzu großen PurzelbĂ€ume schlagenden und comichaft ĂŒberpinselten Spiel eben erwarten darf. Mehr gibt's darĂŒber kaum zu sagen, ohne dass irgendwer ein "Laaaangweilig" seufzt.

Tritt ein Offline-Mitspieler eurer Runde bei, halbiert er nicht nur den Sitzplatz auf der Couch (wollte erst "Sitzplatz" weglassen, da mich die Vorstellung, wie jemand eine Couch zerteilt, sehr amĂŒsierte), sondern auch die Bildrate. Die 60 Frames sinken auf 30. VerstĂ€ndlich, muss eben alles doppelt berechnet werden. Neu in der Handsome-Collection ist der Vier-Spieler-Splitscreen-Modus, und eingespannt in diese Last sieht es nicht so aus, als hĂ€tte der Spielfluss noch einen besonders festen Stand.

3

Das Spiel ist eigentlich so plump, aber das Tempo, die SprĂŒche, das Leveln, alles zusammen mit Freunden in einer sehr ungezwungenen, lockeren Art, das haben nicht viele andere.

Deutlich unter 20 Frames waren es, wĂŒrde ich schĂ€tzen, als wir zu viert im Pre-Sequel die Hauptmission mit der KI und dem Skipper erledigten. Das Zielen buckelt vor einer ordentlichen Verzögerung, das Prinzip "Draufhalten und Hurra, triffst eh immer was" gerĂ€t unter diesen Voraussetzungen selbst in einem Spiel wie Borderlands zur grĂ¶ĂŸeren Probe, als es der Fall sein dĂŒrfte. Ein reiner Shooter wĂ€re in dieser Form raus. Der Fairness halber: Ich habe andere Kollegen von angenehmen 30 Frames im Vier-Spieler-Modus reden hören, was je nach Abschnitt durchaus zutreffen kann. Falls sie wirklich irgendwo da draußen lauerten, diese 30 kleinen Kerle, liefen wir uns an diesem Tag nicht ĂŒber den Weg. Vielleicht spĂ€ter irgendwann.

Sollte also jemand oberhalb der 60-Zoll-TV-Diagonale protzen und/oder eine Vierteilung des Bildes als genießbar einstufen: Wird vermutlich nicht immer reibungslos, aber dafĂŒr gibt's Bier als Ausgleich. Das lĂ€sst sich online nur schwer teilen. Man kann es ins Mikro des Headsets kippen und hoffen, am anderen Leitungsende spritze es heraus wie aus einer undichten Zapfanlage. Auch dieses Bild amĂŒsierte mich gerade. Bier ist jedenfalls nie verkehrt, und wie viel davon im Vierer-Splitscreen die DĂ€mme zum Brechen bringt, das hĂ€ngt von Borderlands: Handsome Collection ab, um hier wenig elegant den Bogen zu kriegen.

2

Mitsamt all der enthaltenen DLCs, die fĂŒr beide Spiele erschienen sind, bedeutet das... keine Ahnung, 150 Stunden Spielzeit?

"Dein Ticket, deine App" steht in der U-Bahn, aber wieso schreibt da eigentlich niemand, dass Borderlands 1 nicht beiliegt? Was der Fall ist. Sehen wir es so: Diese Neuauflage dreht sich nun einmal um Handsome Jack, einen in GrundzĂŒgen von einem Auftritt des Schauspielers Nathan Fillion (Firefly, Castle, Super - Shut up, Crime) inspirierten Antagonisten, bei dem ich wetten wĂŒrde, dass er mittlerweile in vielen "Die-besten-Videospielbösewichte"-Top-Ten-Listen auftaucht. FĂŒr mein Humorempfinden hat er sich das auch verdient, endlos mĂ€andernd durch die TĂ€ler des Unsinns.

Das erste Borderlands hatte kein solches Kaliber auf dem Weg zur letzten Schatzkammer Pandoras, zu keinem Zeitpunkt. Es ist rĂŒckblickend ein nettes, kleines, beschauliches Abenteuer, eine Blaupause, oder in all den kargen Schluchten vielleicht eher eine Graupause (oh Mann, sorry...) Damals ein guter Einstand, von dem man sich fragte, wieso vorher noch niemand auf diese Idee kam, aber recht langweilig angesichts dessen, wozu es in den Folgejahren ausgebaut wurde. Man könnte sagen, Borderlands 1 hat sich selbst im Schatten der Nachfolger abgeschafft, die so viel besser sind, dass ich nie wieder eine RĂŒckkehr zu den UrsprĂŒngen plante.

1

In The Pre-Sequel geht es auf den Mond.

Obwohl die verquatschte Handschrift beim Wechsel von Gearbox (Teil 2) zu 2K Australia (Pre-Sequel) etwas verwischt wurde, stecken da immer noch genug Punchlines drin. In den GesprÀchen, den Audiologs, den Items, der Art, wie man sich als Spieler einer scheinbar nutzlosen Waffe nÀhert, sie aufhebt und dann merkt: Jau, sie verlangsamt meine Bewegungen zwar um 80 Prozent, aber sie ist superschnell und schreit (!) beim Abfeuern, statt, na ja, zu klingen wie eine Schusswaffe.

Wegen solcher Dinge und unzĂ€hliger Stunden mit Freunden, mit denen ich seit ĂŒber fĂŒnf Jahren jeden Teil und nahezu jeden DLC spiele, wird Borderlands immer einen Platz bei mir haben. Es ist ein brutales Spiel, in dem man Menschen und Maschinen tötet, immerzu, weil man es muss und auch ein bisschen genießt, ohne dass dieses Verhalten der Spielwelt zuwiderlĂ€uft. Eine ganz eigen die StĂŒhle platzierende Endzeitparty, die sich trotz Klamauks und Hanswursterei niemals so ĂŒbertrieben vertrottelt oder gar peinlich anfĂŒhlt, wie es Furzwitze vermuten lassen.

Nimmt man die selbstverstĂ€ndlichen AufhĂŒbschungen fĂŒr Xbox One und PS4 sowie die komplett enthaltene DLC-Palette fĂŒr beide Teile hinzu: Wie fĂŒhlt ihr euch bei dem Gedanken, das alles Ende MĂ€rz auf den aktuellen Konsolen erleben zu können?

Quelle: Eurogamer.de

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