15. Januar 2014

Und wieder 48 Stunden in Borderlands 2

Falls da draußen gerade ein Entwickler Konzepte für seinen nächsten Ego-Shooter sucht: Warum klaut ihr nicht zur Abwechslung mal bei Gearbox Software? Namentlich Borderlands 2. Genauer gesagt: die Millionen möglichen Waffenkombinationen, das Rollenspielkonzept und den grandiosen Humor? Kommt schon! Ich werd hinterher auch nicht meckern, dass euer Titel bei Pandora abgekupfert hat! Versprochen!

Hintergrund meines unmoralischen Aufrufs ist, dass ich vor ein paar Tagen meine Festplatte aufräumen wollte (der Rechner soll ja fit sein für 2014), als ich über die Verknüpfung von Borderlands 2 stolperte und ganz unschuldig doppelklickte. "Ein bisschen zum Spaß", wollte ich es zocken. "Nicht mehr als einen Abend", hatte ich mir vorgenommen. Seitdem hab ich weitere 48 Stunden Spielzeit reingebuttert, tüftle grad im zweiten Durchlauf an der optimalen Ausrüstung für Axton und genieße die Kombination aus "The Bee" (Schild) und einer mühsam gefarmten Fibber-Knarre. Ich hab' mich außerdem zum zweiten Mal über sämtliche Download-Content-Pakete hergemacht ('Tiny Tina's Assault on Dragon Keep' ist der Hammer) und werde mir demnächst Salvador genauer ansehen, den ich bislang eher stiefmütterlich behandelt habe. Freizeit? Frischluft? Kokolores!

Nebenbei grüble ich, weshalb es da draußen nicht schon zig Nachahmer für Gearbox' Waffen-Konzept gibt? Ist doch ein genialer Kniff, Schießeisen aus Modulen zufällig zusammenzusetzen und jedes davon mit einer speziellen Eigenschaft und Seltenheit auszustatten. Daraus errechnen sich Millionen und Abermillionen mögliche Waffen, auf die sich begierige Shooter-Fans stürzen, stets auf der Suche nach ihrem "perfekten Schießprügel". Selbst die "Uniques" findet man in unterschiedlichen Varianten, über deren Nutzen sich dann in Fanforen trefflich diskutieren lässt. Zusätzlich steigert das Waffendesign-System den Wiederspielfaktor. Während man andere Shooter nach dem Abspann zur Seite legt, kann ich mit Borderlands 2 auch nach Handsome Jacks Ableben jede Menge Spaß haben, selbst wenn der Charakter am Ende des zweiten Durchlaufs und der DLC-Inhalte die Maximalstufe erreicht hat. Es könnte ja noch dieses schicke Scharfschützengewehr droppen, von dem ich neulich gehört habe ...

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Gunzerker Salvador hatte ich ziemlich vernachlässigt. Dabei kann das Schwergewicht mit zwei Schießprügeln gleichzeitig ballern.

Ihr merkt schon: Ich steh total auf derartige Beutesog-Games und Skinnerboxen. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn sich ein Entwickler dieser psychologischen Tricks bedient, um sein Spiel zum Zeitverbrenner zu trimmen. Ist das eine billige Masche? Yup. Sollte jeder Entwickler derartige Mechanismen einbauen? Nein, bloß nicht. Im Gegenteil: Die Kollegen der Extra-Credits-Reihe warnten in ihrem Beitrag zum Thema zu Recht vor dem ausufernden Einsatz von Skinnerboxen.

Nicht jeder kann Skinner

Ich muss aber zugeben, dass ich gelegentlich doch ganz gerne in diese "Falle" tappe und den Entwicklern nicht pauschal einen Strick draus drehen möchte. Wie immer macht die Dosis das Gift. Es gibt Titel, die haben schlicht keinen anderen Zweck, als Zeit zu verbrennen - quasi als spielerisches Pendant zu seichten Vorabend-Shows im Fernsehen. Kann man die Nase drüber rümpfen, aber solange es genügend Alternativen auf dem Markt gibt, die den Spieler anderweitig fordern, haben Skinnerbox-Games für mich ihre Berechtigung.

Außerdem gibt es genügend Beispiele für Entwicklerstudios, die sich an dem Konzept die Zähne ausbeißen - oft, weil es mit ihrem Cashshop-Geschäftsmodell oder anderen Designentscheidungen kollidiert. Selbst ein Routinier wie Blizzard war davor nicht gefeit und versiebte es bei Diablo 3 im ersten Anlauf. Die Fans kauen schon an den Nägeln, bis das überarbeitete Loot-System auf PC eingeführt wird, während Konsolenspieler jubelnd legendäre Beute horten.

Doch warum folgten auf das erste Diablo Dutzende Hack-and-Slay-Nachahmer mit Fantasy-Setting, Zufallsleveln und Loot-Lawinen, während Gearbox Software ziemlich allein auf weiter Flur werkelt? Wo bleiben die Ego-Shooter mit Rollenspiel-Flair, die ein ähnliches Beute-Feuerwerk zünden wie der König von Pandora? Defiance schien so ein Kandidat zu werden, verpuffte jedoch überraschend schnell wieder, während Borderlands 2 noch immer ein potenter Stundenkiller ist.

Es tummeln sich eine Menge Titel auf dem Markt, die Aspekte nutzen, wie sie in Borderlands vorkommen: Open-World hier (Far Cry 3), Rollenspiel da (Fallout 3), Mad-Max-Endzeit sowieso (Rage). Aber mir fällt kein Titel ein, der ein derartiges Gesamtpaket schnürt aus Quests, RPG-Elementen, Atmosphäre, schwarzem Humor, flapsigen Sprüchen, skurrilen Charakteren und extrem gut gelungenem Beutesog.

Quelle: Eurogamer.de

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