13. Dezember 2013

Dark Souls 2 - leben und leben lassen

Videospiele machen mich zum Helden. Zum Retter der Menschheit. Zu einer gottgleichen Sagengestalt. Oder gleich zum Schöpfer höchstpersönlich. In meinen 30+ Jahren als Gamer haben mir Spiele vor allem eins beigebracht: grenzenlose Selbstüberschätzung. Ich soll den Planeten retten und dabei eine ganze Armee besiegen? Kein Problem! Ich soll mit dem 1. FC Köln Deutscher Meister werden? Na sicher! Ich bin besser als jeder andere ... und wenn ich mal verliere, dann war das ganz sicher nicht meine Schuld! Denn als Spieler bin ich die Hauptfigur und ein modernes Videospiel soll gefälligst dafür sorgen, dass ich Spaß an ihm habe. Doch dann kam Dark Souls und lehrte mich Demut. Es brachte mir bei, dass mein „Kopf-durch-die-Wand"-Stil nicht immer funktioniert. Dass in 30+ Jahren gemachte Erfahrungen für die Katz' sind. 2014 kommt Dark Souls 2. Die Closed Beta läuft seit Oktober. Mit dem gleichen Ergebnis: Spaß durch Bildschirmtod!

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Dark Souls 2 führt mich nach 'Huntsman's Corpse'. Eine unwegsame Landschaft irgendwo in den Bergen. Spitze Felsformationen ragen in den Himmel. Es ist finster. Als ich mit meinem Soldaten die ersten Meter an einem steilen Abhang entlang marschiere, überkommt mich das ungute Gefühl, dass ich an diesem Tage sicherlich noch mindestens einmal in die Tiefe stürzen werde.

Aber trotz der neuen Umgebung spielt sich Dark Souls 2 doch vertraut. Die Steuerung ist nahezu identisch zum Vorgänger. Mit den linken Schultertasten blockt und pariert ihr Schläge der Angreifer. Mit den Rechten führt ihr dagegen leichte und schwere Angriffe aus. Von den sechs präsentierten Klassen ist der von mir ausgewählte Soldat der wendigste, aber gleichzeitig auch schwächste Bursche im Sortiment. Er attackiert mit der bewährten Kombination aus Breitschwert und Schild. Einen Speer als Zweihandwaffe hat er ebenfalls noch im Inventar. Diese Werkzeuge unterscheiden sich deutlich voneinander und fordern von euch die richtige Spieltaktik. Mit Schwert und Schild seid ihr für das Gröbste gewappnet. Ihr könnt schnell attackieren und gleichzeitig defensiv agieren, ohne dass eurem Kämpfer nach zwei Aktionen die Puste ausgeht oder er Ewigkeiten braucht, um einen Schlag auszuführen. Mit dem Spieß wiederum haltet ihr euren Feind auf Distanz, büßt aber auch einige Verteidigungspunkte ein. Ganz ähnlich funktioniert der überdimensionierte Zweihänder, nur dass dieser nach einem Angriff eine deutlich längere Regenerationsphase hervorruft. Wer es wirklich flink und agil mag, der versucht sich gleich beim zweihändigen Angriff mit zwei Kurzschwertern.

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So beginnt Dark Souls 2 genau dort, wo auch Dark Souls aufgehört hat: Am Lagerfeuer. Diese Ruheplätze sind Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite tausche ich hier meine durch Kämpfe erworbenen Seelen - also die Erfahrungspunkte - in Charakterattribute um. Aufgrund der Kürze der Zeit entscheide ich mich für Verbesserungen der Ausdauer und der Kraft. Wer gerne mit Zauberei herumspielt, sollte entsprechend bei Glauben investieren. Jede kleine Pause ruft allerdings alle zuvor erschlagenen Monster wieder zurück in die Spielwelt. Es bringt also nichts, erst den Weg freizuräumen und anschließend zum Aufleveln zurück zu rennen.

Dark Souls 2 zeigt mir sehr schnell, dass ich in seiner Welt kein Held bin, sondern ein ungebetener Gast. Die ersten Ghoule sind kein Problem. Aber schon beim ersten Gebäude wartet das Spiel mit einer hinterlistigen Falle auf mich. In völliger Dunkelheit schlägt zunächst ein Pfeil in meinem Schild ein. Während ich den Schützen suche, greift mich ein Schurke von der Seite mit zwei Dolchen an. Gemein! Wie ich im zweiten Versuch herausfinde, kann ich an dieser Stelle die vernagelten Fenster einschlagen, um Licht in das Gemäuer zu bringen. Nicht nur, dass ich durch mein Ableben erfahre, wie ich diese Stelle meistere. Mein Soldat ist plötzlich auch ein Untoter und hat seine Seelen verloren. Diese könnt ihr selbstverständlich wieder in Form eines grünen Orbs aufsammeln. Das Dasein als Untoter zu beenden, ist dagegen schon ein wenig komplizierter. Denn dafür brauche ich ein 'Human Effigy'. Und das dringend. Jedes Mal wenn ich als Untoter erneut sterbe, klaut mir Dark Souls 2 ein weiteres Stückchen meiner Lebensenergie. Erst bei der Hälfte stoppt das Programm die Bestrafungsaktion. Diese fiese Finesse macht das Überleben deutlich schwerer, gerade wenn im späteren Spielverlauf noch dickere Monster im Dunkeln lauern.

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Überhaupt spielt aber neben der puren Angst vor dem plötzlichen Bildschirmtod die Finsternis, die das gesamte Spiel durchdringt, eine entscheidende Rolle. Denn die Lichtverhältnisse werden hier äußerst gekonnt für Fallen und herausfordernde Momente eingesetzt. In einer Höhle beispielsweise treffe ich auf eine Gruppe Skelette und einen Totenbeschwörer, der die Klappergestelle wieder zum Leben erweckt, nachdem ich sie erschlagen habe. Ohne Fackel beträgt der Sichtradius nur einen Meter. In der Hektik des Kampfes entdecke ich weder den Totenbeschwörer, der sich irgendwo in der hintersten Ecke des Raums aufhält, noch sehe ich die Schluchten, die sich links und rechts von mir auftun. In der Hitze des Gefechts stolpere ich natürlich und stürze ab. Glücklicherweise darf ich die Fackel nun auch beim Lagerfeuer neu entzünden. Doch gerade bei den Effekten von Licht, Wind und Schatten macht Dark Souls 2 einen deutlich runderen Eindruck als sein Vorgänger. Alles wirkt eine Spur lebendiger. Gras wiegt sich sanft im Wind. Die Fackel wirft einen kurzen, aber hilfreichen Schein in das Dunkel. Der Atmosphäre sind diese Erweiterungen absolut zuträglich.

Schöne Momente gibt es bereits in der Closed Beta zuhauf. Etwa wenn sich ein Schurke panisch an dem Helden festklammert, um nicht in die Tiefe gestoßen zu werden. Oder wenn ich durch ein Loch in einer Hängebrücke springe und unten nicht etwa den sicheren Tod, sondern eine seltene Rüstung finde. Dark Souls 2 belohnt selten, aber wenn, dann ist die Begeisterung umso größer. Apropos 'größer': Natürlich gab es auch gewohnt eklige Monster, die mir das Leben weiter zur Hölle machten. Riesigen Ogern mit zwei Sensen musste ich mit Rollen ausweichen und erstach sie gekonnt von hinten. Natürlich erst nach einigen Versuchen. Und hinter dem Bossgegner 'Skelettkönig' verbarg sich gleich eine ganze Armee von Untoten, die sich alle einen gemeinsamen Energiebalken teilte. Erst tauchten drei Skelett-Lords auf, danach rotierende Knochenräder und später noch schwer gepanzerte Krieger. Kein leichtes Unterfangen! Besonders, da es in Dark Souls 2 nicht möglich sein wird, sich in Bosskämpfen Verstärkung anderer Spiele mit den sogenannten 'Soap Stones' zu rufen. Noch gemeiner: Je besser euer Avatar ist, desto kürzer wirken diese Zaubersteine. Zu allem Überfluss tauchen später schließlich auch noch rote Invasoren - also Spieler aus anderen Welten - auf. Dark Souls 2 wandert auf einem schmalen Grat zwischen Lust und Frust und geizt nicht mit unschönen Überraschungen.

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Aber Dark Souls 2 weckt auch den Spieler in mir wieder. Diesen krankhaft ehrgeizigen Typen, der tausend Mal an einer Stelle scheitert, nur um sie dann nach Tagen doch noch zu schaffen. Während ich andere moderne Titel irgendwann einfach weglege und nicht mehr drüber nachdenke, spukt mir Dark Souls 2 auch Tage später noch im Kopf herum. Das alte Konzept des 'Verdammt! Was habe ich nur falsch gemacht?' funktioniert weiterhin ganz hervorragend. Auch wenn Dark Souls 2 nicht viel anders macht als sein Vorgänger, fühlt es sich dennoch runder und frischer an. Eins kann ich jedenfalls versprechen: Verweichlicht sind die Jungs von From Software noch lange nicht!

Quelle: Eurogamer.de

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