12. November 2013

Die größten Überraschungen dieser Generation - Benjamin

Jeder erlebt in einer Konsolengeneration so seine ganz eigenen Überraschungen. Ob es nun bestimmte Features von Konsolen sind, die man nicht auf der Rechnung hatte, Spiele, die ihr so nicht erwartet habt, oder spezifische Verhaltensweisen, von denen man eigentlich erwarten würde, dass man sie nicht weiterverfolgt, sondern aktiv etwas dagegen unternimmt. Es gibt vieles, was überraschend sein kann, in positiver wie auch in negativer Hinsicht. Wobei Letzteres sicherlich eher etwas für die Enttäuschungen dieser Generation gewesen wäre, obwohl nicht umhin komme, zumindest eine Sache hier bei den Überraschungen anzusprechen.

Achievements, Trophäen und Co.

Eine der größten Überraschungen der aktuellen Konsolen war für mich nicht irgendein besonders schneller Prozessor, ein spezieller Controller oder sonst etwas in der Richtung. Nein, es waren die Achievements, die Microsoft auf der Xbox 360 einführte und die sich schnell als ungemein populär erwiesen.

Ja, es sind eigentlich nur ein paar zusätzliche Zahlen, die ihr durch das Erreichen der Erfolge bekommt, aber dennoch sind sie für mich auch teilweise eine Motivation, Dinge noch mal oder auf eine verschiedene Art und Weise auszuprobieren. Und das Spektrum reicht dabei von recht simplen Achievements bis hin zu Erfolgen, für die man wirklich eine kleine Ewigkeit lang grinden muss. Zuweilen ist es auch für die Entwickler eine echte Kunst, sich die richtigen Achievements für ein Spiel auszudenken, denn einerseits soll man ja möglichst nicht alles an einem Tag abhaken können, aber andererseits will man die Spieler auch regelmäßig einen Erfolg freischalten lassen. So manch einer spielt bestimmte Titel auch nur wegen der Erfolge.

Dass die Achievements so erfolgreich waren, sieht man übrigens bestens anhand der Konkurrenz, denn 2007 zog Valve auf Steam nach, 2009 entschied sich auch Sony zur Einführung der Trophäen. Ein besseres Kompliment und einen deutlicheren Beweis für den Erfolg und die Beliebtheit gibt es wohl nicht.

Alpha Protocol

Martin war ja nicht so sehr von Obsidians Alpha Protocol angetan, doch für mich ist es ein kleiner Geheimtipp und eine Überraschung der diesjährigen Generation. Perfekt ist es ganz sicher nicht und auch ein typisches Beispiel für „love it or hate it."

1

Schicke Brille.

Spielerisch erinnerte es mich im positiven Sinne an Mass Effect, auch wenn hier und da nicht immer alles reibungslos ablief - ein Problem, mit dem viele Obsidian-Spiele zu kämpfen haben. Hinzu kam die für mich sehr interessante Agenten-Thematik. Hey, wo wir gerade dabei sind, wie wäre es mal mit einem Bond-Rollenspiel? Aber zurück zu Alpha Protocol. Wie die früheren Bond-Filme war es mitunter auch mal etwas abgedrehter, wenn ich beispielsweise mal an den Charakter Sie denke. Aber das machte für mich auch irgendwie diesen speziellen Charme des Spiels aus.

Bedenkenlos empfehlen würde ich Alpha Protocol niemandem, eine Chance solltet ihr ihm aber zumindest mal geben - sofern ihr mit einem Spiel leben könnt, das sich in seiner Gesamtheit nicht ganz so rund und fehlerfrei anfühlt wie andere Produktionen, euch aber eine Menge Entscheidungsfreiheiten lässt.

Battlestations Midway/Pacific

2

Strategie? Auf Konsolen? Funktioniert im Fall von Battlestations Midway beziehungsweise Battlestations Pacific sogar sehr gut. Es ist kein klassisches Schräg-von-oben-Strategiespiel á la Command & Conquer, vielmehr steuert ihr die Schiffe direkt, feuert ihre gewaltigen Kanonen ab, geht im U-Boot auf Tauchstation oder lasst eure Jagdflugzeuge vom Flugzeugträger aus starten. Das erinnert insgesamt ein bisschen an die Seekämpfe in Battlefield 1942 und macht auch genauso viel Spaß.

Wenn ihr einen Faible für Seeschlachten, Spiele im Zweiten Weltkrieg und Strategie habt, kommt ihr an diesen beiden Titeln auf den Konsolen eigentlich nicht vorbei - Alternativen gibt es da nämlich praktisch keine. Schade nur, dass man nie den riesigen Erfolg hatte, um die Serie weiter fortzusetzen.

Ghostbusters

Wie gut und wie schlecht Lizenzspiele sein können, bewies Ghostbusters in dieser Generation anhand zweier Titel. Das Arcade-Spielchen Ghostbusters: Sanctum of Slime vergessen wir am besten schnell wieder, doch Ghostbusters: The Video Game war im Gegenzug richtig gut. Das lag nicht zuletzt daran, dass Dan Aykroyd, Harold Ramis, Bill Murray und Ernie Hudson wieder mit von der Partie waren und ihre bekannten Rollen verkörperten, sondern eben auch andere bekannte Charaktere.

Das Spiel ist wirklich eine Art Liebesbrief an die Ghostbusters-Fans. Es mag zwar nicht die längste Solo-Kampagne haben, doch die ist dafür qualitativ gut und witzig umgesetzt worden. Alles in allem fühlte sich Ghostbusters: The Video Game für mich wie eine Art dritter Teil der Filme an, auf den wir ja nach wie vor warten. Es reiht sich praktisch nahtlos ein und ist nicht nur für Fans eine wunderbare Ergänzung der beiden Filme.

Davon abgesehen: Nichts ist unterhaltsamer, als selbst mit dem Proton Pack auf Geisterjagd zu gehen - solange ihr nicht die Strahlen kreuzt.

"Das Spiel ist wirklich eine Art Liebesbrief an die Ghostbusters-Fans."

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Kingdoms of Amalur

Die Geschichte von Kingdoms of Amalur ist eine traurige. Das Erstlingswerk der 38 Studios ist ein spielerisch wirklich gutes Rollenspiel geworden, dem allerdings kein allzu großer Erfolg vergönnt war. Und das brach dem Entwicklerstudio dann recht zügig das Genick. Mit der gleichzeitigen Entwicklung eines MMOs in dieser Spielwelt hatte man sich einfach übernommen, obwohl eigentlich hätte klar sein müssen, dass es eine neue Marke nicht einfach haben wird.

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Rein optisch erinnert Kingdoms of Amalur an ein hübscheres World of WarCraft und man merkt quasi in jeder Ecke, dass die Macher viel Arbeit und Zeit in die Hintergrundgeschichte steckten. Hinzu kommt ein gutes, schnelles und taktisches Kampfsystem inklusive Ausweichmöglichkeit. Eines, wie ich es mir etwa in Skyrim gewünscht hätte.

Zugegeben, die Hauptstory des Spiels ist jetzt nichts, was einen wirklich vom Hocker haut, aber sie führt euch durch eine sehr liebevoll gestaltete Spielwelt. Und wenn ihr genau darauf wert legt, euch in eine Welt mit vielen Hintergrunddetails vertiefen wollt, solltet ihr euch das Spiel vielleicht doch mal anschauen, falls ihr es bislang nicht getan habt.

Prince of Persia

Was ich am 2008er Prince of Persia nach wie vor nicht verstehen kann, ist die Kritik daran, dass man nicht sterben kann. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich nun in einen Abgrund stürze und mir einen Ladebildschirm anschauen muss oder ob mich Elika bei einem Sturz nach unten mithilfe ihrer magischen Fähigkeiten auffängt und zur letzten Position zurück teleportiert. Wenn ich wählen müsste, würde ich stets Letzteres bevorzugen. Es reißt einen nicht aus dem Spiel heraus und gerade in einem Titel, in dem man öfter mal abstürzen kann, wären ständige Ladebildschirme für mich weitaus nerviger.

Abgesehen davon ist Prince of Persia meiner Meinung nach einfach eines der stilistisch schönsten Spiele dieser Generation. Quasi auf Anhieb habe ich mich in den Stil des Spiels verliebt und im Zusammenspiel mit der wunderbaren Harmonie zwischen den beiden Hauptcharakteren kann ich auch locker darüber hinwegsehen, dass es spielerisch nun nicht gewaltig anspruchsvoll ist.

Als angenehm empfand ich zudem, dass man sich mehr auf das Klettern und Springen konzentriert als darauf, irgendwelche Gegner um die Ecke zu bringen. Ein wirklich schön anzuschauendes und entspannt zu spielendes Werk. Ich hoffe, dass Ubisoft die Geschichte nochmals aufgreift und diesen tollen Stil auch auf den Next-Gen-Konsolen zum Leben erweckt.

"Prince of Persia ist meiner Meinung nach einfach eines der stilistisch schönsten Spiele dieser Generation."

5

Die Simpsons: Das Spiel

Während von den Simpsons serientechnisch nach der zehnten Staffel bis heute nicht mehr viel Gescheites kommt, hat mich Electronic Arts' Spiel aus dem Jahr 2007 vielleicht genau aus diesem Grund umso mehr überrascht. Meine Erwartungen waren jedenfalls nicht allzu hoch. Das Mobile-Spiel, von dem Martin so entsetzt war, lassen wir dabei mal schön außen vor.

6

Der Action-Platformer ist jedenfalls eine sehr unterhaltsame Parodie auf diverse andere Spiele. Da hätten wir etwa das neue und entsprechend brutale Spiel Grand Theft Scratchy, Will Wright taucht auch noch auf oder ihr spielt eine Medal-of-Honor-Parodie namens Medal of Homer. Schöner Stil, wunderbar eingefangene Atmosphäre und guter Humor. Also so ziemlich das, was ich mir unter einem guten Simpsons-Spiel vorgestellt hatte.

Außerdem erhält das Spiel den Preis für den wohl einfachsten Erfolg der Spielegeschichte:

„Press START to Play - Easiest achievement ... ever"

Singularity und Wolfenstein

Es ist schade, dass Raven Software derzeit hauptsächlich an den Call-of-Duty-Spielen mitarbeiten muss und nicht mehr eigene Projekte in Angriff nehmen darf. Mal abgesehen davon, dass sie mit Star Trek Voyager: Elite Force oder Jedi Knight 2 zwei Spiele geschaffen haben, die ich früher bis zum Gehtnichtmehr gespielt habe, sorgten sie auch in dieser Generation mit Singularity und Wolfenstein für zwei wirklich gute Shooter, auch wenn ihnen der große Erfolg nicht vergönnt war.

Beides sind Shooter, die zwar in puncto Bombast nicht auf einer Stufe mit dem stehen, was euch Call of Duty oder Battlefield regelmäßig vor die Nase werfen, aber spielerisch wirklich gut sind. Oder anders gesagt: Singularity und Wolfenstein sind keine Überflieger, die das Genre revolutionieren - was jedoch gleichermaßen für viele andere aktuelle Shooter gilt -, aber beide sind dennoch auf ihre eigene Art sehr ansprechend, weil sie eben auch nicht auf das aus CoD und Battlefield bekannte und etwas ausgelutschte moderne Kriegsszenario zurückgreifen. Wenn ihr genau das nicht mehr sehen könnt, habt ihr hier zwei wunderbare Alternativen.

Besonders Singularity ist ein gelungener Blick zurück auf die Ära des Kalten Krieges. Gleichzeitig lässt man mit der Manipulation der Zeit, mit der ihr etwa Brücken wiederherstellt oder gegnerische Soldaten in Staub verwandelt, SciFi-Elemente einfließen. Und daraus ergibt sich ein spielerisch wirklich interessanter Shooter.

"Es ist schade, dass Raven Software derzeit hauptsächlich an den Call-of-Duty-Spielen mitarbeiten muss und nicht mehr eigene Projekte in Angriff nehmen darf."

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Die Vita und ihr Softwaremangel

Sollte mich der Softwaremangel der PlayStation Vita nun überraschen oder nicht? Insbesondere in Anbetracht dessen, dass man mit diesem Problem bereits bei der PlayStation Portable konfrontiert war, hätte ich mir erwartet, dass man bei der Vita mehr wert darauf legt, die Spieler mit Nachschub zu versorgen. Und damit meine ich nicht irgendwelche Umsetzungen bekannter Spiele und Marken, die auch für die Heimkonsolen erscheinen, sondern wirklich eigenständige Titel.

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Dass sich die Vita im Gegensatz zur PSP und deren fehlenden zweitem Analog-Stick weitaus besser dafür eignet, als die zuweilen unnötig komplizierten Steuerungsmethoden ihrer Vorgängerin, scheint für die Entwickler wohl keine Rolle zu spielen. Es ist irgendwie auch ein verdammter Teufelskreis. Ohne hohe Verkaufszahlen des Handhelds sind die Publisher und Entwickler vorsichtig, was die Produktion Vita-exklusiver Spiele anbelangt, aber ohne gute Exklusivspiele wird die Vita auch so schnell nicht durchstarten.

Und das ist schade, denn rein technisch gesehen ist die Vita ein wirklich feines Stück Hardware, bei dem man auch Features wie die Touchscreens sinnvoll einsetzen kann, sofern man es nicht übertreibt. Für die Zukunft kann man eigentlich nur hoffen, dass die Vita dank der Möglichkeit, als Second Screen für die PS4 benutzt zu werden, einen Aufschwung erhält und dass daraus dann auch weitere neue Titel resultieren. Verdient hätte es die Vita!

Quelle: Eurogamer.de

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