05. September 2013

Fünf Gründe, warum ihr jetzt schon wisst, dass ihr Assassin's Creed 4 spielen müsst.

Es gibt derzeit kaum eine Serie, die dermaßene Verlässlichkeit an den Tag legt, wie Assassin's Creed. Man weiß einfach, was man bekommt, fast egal, was sie als Nächstes planen. Dass das nicht unbedingt eine schlechte Sache sein muss, merkte ich auf der GamesCom, als ich gerade von einer Anspielsession kam und mich mit jemandem genau darüber unterhielt. Er meinte, dass er sich wirklich und ehrlich auf das Spiel freuen würde. Ich konnte bis zu einem gewissen Grad zustimmen, merkte aber auch an, dass es sich schon Creed-ig spielen würde. Die Antwort lies mich ein wenig stutzen: "Genau deshalb freue ich mich ja darauf."

Kurz, trocken und auf den Punkt den Erfolg zusammengefasst. Es gibt Firmen, die zahlen Analysten für so einen Satz viel Geld. Ok, sie kriegen dann viel mehr Papier, ein paar Details, aber die Aussage dürfte dann in die Richtung von "never change a running system gehen".

Das macht eine jedwede Vorschau meinerseits, die ich euch geben kann, ein wenig zur Makulatur. Die Story verrate ich eh nie, außer es führt kein Weg dran vorbei - was diesmal wohl kaum der Fall sein dürfte - und die Spielmechaniken laden zu etwas ganz anderem ein: Hier sind meine Gründe, warum ihr das hier entweder schon sicher vorbestellen könnt oder von der Liste streichen.

1. Hoch die Wanten, runter ins Stroh.

Vor euch der Sandstrand, dahinter eine Hüttensiedlung, gefolgt von den hohen Häusern Port Royals - oder wo auch immer ich vor Anker ging. Es sieht anders aus, als die Wälder Neuenglands, ganz anders als Rom oder Konstantinopel. Aber eine Mauer reicht, um zu sehen, dass das alles keine wirkliche Rolle spielt, weil es eben Assassin's Creed 4 ist. Die Laufbewegungen, das Klettern an der Wand, die Momente, in denen das Spiel nicht immer ganz genau weiß, was ihr wollt, all dass fließt sofort vom Kleinhirn, wo es sich nach so vielen Spielen eingepflanzt hat, in die Finger und ihr bewegt euch sofort, als hättet ihr noch nie etwas anderes getan.

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Das ist ein Gefühl, das sehr schön sein kann. Man fühlt sich wohl, man muss sich nicht lange einspielen, die Flüche bleiben auf einem langweiligen Minimum. Ich persönlich stehe dabei ein wenig in der Mitte. Genug Leute lehnen solch konsequentes Gameplay-Recycling aus Prinzip ab, dann geht es nahtlos weiter, an mir vorbei und zu den Spielern, die genau dieses Gefühl suchen. Ich habe es nicht lange genug gespielt, um sagen zu können, dass sich gar nichts geändert hätte - was ich nicht glaube -, aber es reichte, um sich sofort an den eigentlich neuen Untergründen der Klippen und Stelzenhütten zurechtzufinden oder es eben nicht zu tun. "Nein, du &%%&§$%!!, nicht die Wand hoch, sondern durch DIESE Gasse!". Es gab diesen Augenblick, sonst bewegte sich auch der Neue genauso elegant über die Dächer, vorbei an den paranoiden Wachen, die auf alles ballern, was vielleicht ja auch nur ein paar Schindeln festnageln will und hoch auf die Türme, um den Assassinen-Missions-Scan über die Dächer schweifen zu lassen.

Unnötig zu sagen, dass es danach wie immer runter in den Heuhaufen ging. Ist es das, was ihr sucht, dann habt ihr nichts zu befürchten.

2. Viel Feind, wenig Ehr.

In meinem allgemeinem Assassin's-Creed-Geschick erledigte ich einen Mordauftrag natürlich wieder in voller Eleganz. Im vollen Laufschritt ging es auf den schlendernden Schurken zu, ungewollt eine kleine Hütte, die im Weg stand, nach oben und rüber weg, dann wie ein Irrer mit gezücktem Messer in Richtung Kill-Animation. Nach getaner Arbeit hatten seine Leibwächter nicht den einzig richtigen Gedanken, nämlich, dass es nun kein Gehalt mehr gibt und es Zeit wird, zu gehen, sondern sie umringten mich.

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Der dritte Teil machte hier ja insoweit einen kleinen Sprung, als dass man nicht zu statisch bleiben sollte, wenn sich außerhalb des Zirkels der einen direkt umringenden Gegner Schützen stehen. Diese zielen nämlich auch hier in aller Ruhe und zerren ganz schön an der Lebensenergie. Davon abgesehen ist es das altbekannte Spiel aus Warten, Finten und Konter. Die Richtung, aus der die Attacken kommen, wechselt gelegentlich, aber habt ihr einmal die Schritte im Tanz gefunden, enttäuscht der Partner nicht, indem er den Rhythmus verliert.

Wiederum, das ist wahnsinnig routiniert und gut spielbar umgesetzt. Einen Helden gegen eine Gruppe antreten zu lassen, ist immer ein echtes Problem für jeden Designer und man kann das erwiesenermaßen weit schlechter lösen, als es Creed das tut. Es ist wahrscheinlich sogar einer der besten Ansätze. Aber kennen tut man ihn trotzdem sehr gut.

3. Kapuzenträger fallen auf.

Die Kostüme der Assassinen sind Kunstwerke. Aber das ist auch ein wenig das Problem. Die Straßen mittelalterlicher bis in die Kolonialisierungszeit hineinreichender Städte sind nicht der venezianische Maskenball, sondern vor allem von Praktikabilität am unteren und Eitelkeit am oberen Ende geprägt. Niemand sieht so aus wie einer der Assassinen, nirgendwo. Dass so jemand in dem Outfit in einer Gruppe streitender Händler untertaucht, ist ungefähr so wahrscheinlich wie, dass ich in meiner Alltagskleidung ungesehen durch ein Treffen des Ku-Klux-Klans käme. Ironischerweise einer der wenigen Orte, an denen die Kapuzenliebhaber der Assassinengilde zumindest vage unauffällig bleiben könnten.

You cannot stop us. We will have...our new world.

Abul Nu'qoud, Assassin's Creed

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Sicher, jeder hatte bisher immer eine gewisse Auswahl an Outfits, aber ich habe nie verstanden, warum Ubisoft bisher nie wirklich mit den Möglichkeiten der richtigen Kleidung zum richtigen Zeitpunkt gespielt hat. Gelegentliche Ansätze gab es immer wieder mal, aber ich persönlich würde das lieber als eines der zentralen Elemente sehen. Eure Unauffälligkeit ist davon abhängig, wie ihr euch sozial kompatibel ausstatten und verhalten könnt. Verhaltensmuster wären ein weiterer Ansatz, die Thematik zu intensivieren. Unterschiedliche Missionen in unterschiedlichen Gesellschaftskreisen erfordern von euch die Routinen du Gegebenheiten dieser zu kennen, um nicht alle misstrauisch zu machen. Aber das würde wohl wirklich für den Moment etwas zu weit gehen.

Trotzdem, es ist schön, dass auch Assassin's Creed 4 wieder Outfits bietet und dass vielleicht einige davon sogar dezent unauffälliger ausfallen könnten. Aber ihr spielerischer Wert wird wohl minimal bleiben.

4. Elegantes Bewegen in der Masse

Ein Assassine kann problemlos eine Hauswand hochrennen, sich über Dächer bewegen und Schiffe mit einer Eleganz entern, die Errol Flynn vor Scham erblassen lassen würde. Wenn Errol Flynn keine coole Sau wäre und, nun, irgendwie seit einer Weile tot, sondern ein lahmer Videospielheld. Aber egal, die Bewegungen über die Landschaft und ihre zahlreichen Hindernisse nehmen die Protagonisten der Reihe mit einer Leichtigkeit, mit der die meisten von uns nicht mal Treppen steigen.

The things I have felt, seen and tasted. I do not regret a moment of it.

Juan Borgia, Assassin's Creed 2 Brotherhood

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Das ist auch ok und richtig so, aber warum bewegen sie sich dann wie betrunkene Rüpel, sobald sie sich durch eine gar nicht mal so dichte Menschentraube schwanken? Zumindest ein wenig Eleganz sollte doch in den Routinen möglich sein. Ein Mensch, der durch ein belebtes Einkaufszentrum rennt, wird nicht gezwungenermaßen die gerade Linie als die Einzige ansehen, sondern ein paar Haken schlagen, ein Schritt zur Seite tun und über nichts davon nachdenken. Eine Engine, die einen mit Leichtigkeit die schwierigste Wand bezwingen lässt, sollte dazu auch in der Lage sein. Ehrlich gesagt möchte ich es genau andersherum haben. Lass mich in der Vertikale mitunter mal anhalten und nachdenken, aber am Boden meine Würde bewahren.

Naja, wenigstens geht es diesmal in die Karibik. All meinem Wissen zufolge, das ich darüber habe und das ausschließlich aus den Fluch-der-Karibik-Filmen stammt, ist dort eh jeder konstant betrunken oder auf einer transsexuellen Entdeckungsreise, insoweit passt es diesmal zumindest besser.

5. Multiplayer

Der Multiplayer-Modus von Assassin's Creed ist einer der Bereiche, in denen wenigstens eine echte Entwicklung seit dem ersten Teil stattfand. Nicht nur, dass es inzwischen einen gibt, sondern auch dass dieser deutlich umfangreicher und komplexer wurde. Da Ubisoft so nett war, mich zu einer umfangreichen Anspielrunde in das Studio nach Annecy in den französischen Alpen einzuladen, um mich eben genau davon zu überzeugen, fühle ich mich irgendwie verpflichtet ein paar Worte darüber zu verlieren.

Erst einmal muss ich sagen, dass es von einem Ort wie Annecy schlicht unanständig ist, nicht nur zwischen pittoresken Bergmassiven zu liegen, sondern auch noch an einem malerischen See. Das Studio, das für den Multiplayer zuständig ist, kann sich also nicht über ungünstige geografische Umstände beklagen.

Why do you persist? You put us down. We rise again. You end one plot - we forge another. You try so hard.

Charles Lee, Assassin's Creed 3

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Aber zurück zu den unwichtigen Dingen des Lebens, zumindest wenn man die Option hat, mit Blick auf See und Berg (gleichzeitig! Salauds ...) Champagner zu schlürfen. Die Spielmodi des PvP laufen im Prinzip schon darauf hinaus, rumzurennen, das eigene Ziel zu identifizieren und im Gegenzug sich rarzumachen, falls der eigene Jäger auftauchen sollte. Hase und Fuchs gleichzeitig und das in recht begrenzten Gebieten. Das ist bekannt, aber das Game-Lab, das man sich ausdachte, um das aufzulockern, ist schon ein Schritt in eine gute Richtung. Statt die Modi statisch nach dem Motto "friss oder stirb" zu definieren, könnt ihr eigene Räume eröffnen, in denen bestimmte Regeln eingehalten werden müssen. Einer davon war zum Beispiel, dass nur Schusswaffen erlaubt sind, was die Dynamik so veränderte, dass ich keinen Spaß mehr mit dem Spiel hatte und früh aus der Runde ausstieg. Das machte aber gar nichts, denn die Optionsvielfalt ließ Tausende Kombinationen zu, die sich teilweise sehr unterschiedliche spielten und mir deutlich mehr Spaß machten. Auch der Koop unter massivem Zeitdruck mit on-the-fly wechselnden Zielvorgaben lies den Blutdruck angenehm steigen und weckte gerade in einem Raum mit verschiedenen Teams echten Wettbewerbsgeist.

So, damit müsste ich erst mal meine Pflicht erfüllt haben. Zeit zu nölen, warum mir das nicht reicht und lediglich eine nette, aber nicht sonderlich tief greifende Variation des Bekannten darstellt. Letzteres dürfte offensichtlich sein, schließlich bekommt man kein neues Spiel, wenn man mit den Regeln ein wenig experimentiert. Um es noch mal deutlich zu sagen, ich bin absolut für Regelspielereien zu haben, nur was wäre wenn man das Brett einmal komplett umdreht und aus der einen Box in die andere hineindenkt? Mein Vorschlag würde in Richtung Dark Souls gehen, denn ich denke, das sich dessen Ansatz des Multiplayers für die Creeds perfekt eigenen würde. Ein Modus, in dem ein Assassine das eigene Spiel entern kann und vielleicht den Auftrag hat, einen zu jagen. In der eigenen Single-Player-Welt. Meine erspielten Vorteile und Kenntnisse gegen Deine mitgebrachten Waffen und Dein Talent zu improvisieren. Ein echtes Duell zweier Attentäter.

Nur so eine Idee. Bis dahin lasst uns überlegen, wie man am Besten neu und kreativ würfelt.

6. Seefahrt ist einfach geil!

Das alles wird mir persönlich aus zwei Gründen für ein paar Abende aber herzlich egal sein und dafür gibt es auch einen sechsten Punkt als Bonus. Denn zum einen spielt sich das alles sehr gut und wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch wieder von einer sehr soliden Geschichte untermauert, zum anderen gibt es diesmal viel, viel, viel mehr vom Besten, was den Dritten groß machte: Schiffe!

Segeln in Assassin's Creed ist einfach geil und es gibt derzeit nichts, was da in diesem Element rankommt! Die Wellenberge, die es zu durchpflügen gibt, wirken noch majestätischer, die Balken knarren dank der PS4-Technik noch piratiger und das Krachen der Kanonen, die sich durch den Stolz der Flotten der Nationen fräsen, spielen einen ganz eigenen Rock. Es ist eine Musik, der ich sicher auch irgendwann überdrüssig werde, aber bis dahin werde ich das hier auf 11 drehen und jede Sekunde hinter dem Steuerrad genießen.

6

Und noch mal trotzdem. Assassin's Creed ist eine der einfluss- und erfolgreichsten Serien, die aus der aktuellen Generation hervorgingen. Sie hat sicher noch eine gute Laufzeit vor sich und dafür sorgen schon jetzt die verschiedenen Studios bei Ubisoft, die an ihrer Zukunft schrauben. Ich hoffe, dass dort all die Punkte angegangen werden, die ich eben nannte und noch viel mehr, was mein kleiner Nicht-Spiele-Designer-Geist gar nicht erfassen kann. Dass man sich Gedanken macht, wie man das Spiel noch besser macht und dass es eine Revolution gibt. Auf diese Weise verschreckt man dann zwar den eingangs erwähnten Fan der Konstanz der Creeds und viele andere mit ihm, aber da bin ich egoistisch. Ich glaube nicht an den Status Quo, außer er kommt aus London. Und für Assassinen ist er auf Dauer sogar geradezu tödlich.

Quelle: Eurogamer.de

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