02. September 2013

Diablo 3 - Das beste Spiel, das mich nicht interessiert

Da Frank sich gerade noch durch die letzten Zeilen von Total War: Rome 2 beißt, wird es noch bis zur Wochenmitte dauern, bevor sein ausführlicher und mit Expertise ausgestatteter Test zu der Konsolen-Version von Diablo 3 fertig sein wird.

Da ich mich aber doch schon zu den Connaisseuren der feineren Genüsse der Rollenspielkunst zähle, komme ich wohl nicht umhin, doch endlich selbst mal einen Blick auf das zu werfen, was zehn Jahre dauerte, eine Welle von Aggression nach dem Release nach sich zog und nun neu für Konsolen überarbeitet wurde. Um kurz meine Position zur Diablo-Serie darzulegen, reichen allerdings fünf Worte aus, die ich vorwegschicken muss: Ich habe praktisch keine Ahnung. Den ersten Teil spielte ich, weil es damals eine RPG-Flaute gab und alles mit Leveln willkommen war. Außerdem war es für ein paar Runden lustig. Der zweite Teil erschien, als es in der Rollenspielwelt schon wieder besser aussah und mehr Material mit Story unterwegs war. Angespielt, aber nicht mal einen Durchgang wirklich beendet. Diablo 3 habe ich bis vor ein paar Tagen nie gespielt, daher verkneife ich mir jeden Vergleich der Konsole zum PC. Soviel also vorweg.

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Wo ich wohl nie ankommen werde.

Ganz unvoreingenommen also lautet mein erstes Urteil nach zwei der vier Kapitel und Level 20 oder so: Ist okay, kann man seinen Abend mit verbringen. Wenn ich mich darüber aufregen würde, dass die Handlung auf einen Bierdeckel Platz hätte und nichts ist, was man nicht schon zwanzig(tausend) mal woanders im Genre hörte, würde mir jeder Diablo-Spieler einen Vogel zeigen, weil das Feature Handlung noch nie wichtig war. Daran hat sich nichts geändert, auch wenn es inzwischen nicht nur eine rudimentäre Geschichte gibt, sondern vor allem eine offenbar extrem dichte und detaillierte Spielwelt. Diese ist sogar so hübsch ausgestaltet, dass ich nicht umhinkomme mich zu fragen, wie es wohl wäre, wenn ein echter Rollenspiel-Entwickler sich daran versuchen würde. Da ist durchaus Potenzial.

Trotzdem, niemand spielt das für die Dialoge. Wenn du nicht weißt, wie es in Diablo weitergeht, dann lauf rum, bis du etwas findest, dem du den Schädel einschlagen kannst. Oder erst anklicken, zwei Zeilen wegdrücken und dann zuschlagen, wenn es mal komplexer wird. Das Herz sind demnach auch die großen Außenareale mit vielen Monster-Mobs und die Dungeons mit vielen Monster-Mobs. Der größte Unterschied zwischen beiden ist dabei wohl weniger der Look, sondern, dass es in der einen Variante mehr Freiraum zwischen den Wänden gibt. Ansonsten heißt es bei beiden herumrennen, bis die Karte aufgedeckt und das nächste Missionsziel gefunden ist. Das ist so hohl, wie es klingt, Rätsel oder ähnliche Ablenkungen sind Fehlanzeige, aber auch das ist nicht wichtig.

Wichtig ist das Leveln und damit ziemlich direkt verbunden das Metzeln. Letzteres spielt sich auf der Konsole hervorragend. Die direkte Stick-Steuerung reagiert perfekt, die Angriffe wurden intelligent gruppiert und lassen sich elegant auf die Tasten verteilen. Egal ob Hexendoktor, Mönch oder Barbar, die Einspielzeit für einen neuen Charakter dauert nur Minuten und ist so intuitiv, wie es nur sein kann. Neue Angriffe werden mit den höheren Leveln freigeschaltet, dass man also zu Beginn überfordert ist, ist praktisch ausgeschlossen. Ein so einsteigerfreundliches Spiel ist im Rollenspielgenre selten und daher hat ja auch Diablo seinen Ruf bei mir als Leichtgewicht.

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Die Schnellreise erspart viel Backtracking. Aber nicht alles.

Dass das natürlich nicht stimmt, weiß ich natürlich auch. Die Tiefe der Möglichkeiten, die einem neue Ausrüstung und Talente geben, erlauben komplett neue Ansätze, wie man mit den Figuren kämpft. Da ist viel Spielraum für Kreativität in den Kombinationen, nicht nur bei der eigenen Figur, sondern natürlich vor allem im Zusammenspiel mit Freunden. Wie sich die fünf Charakterklassen mit ihren Angriffen über unterschiedliche Distanzen und Support-Talenten gegenseitig stärker machen, als es jeder Einzelne jemals sein könnte, ist der wirkliche Sinn dieses Spiels und das bevorzugt auf den hohen Schwierigkeitsstufen.

Damit das besonders einfach ist, funktioniert das auf der Konsole sogar offline mit bis zu vier Spielern auf der Couch. Drop-In-Koop der simpelsten Art, perfekt umgesetzt. Drückt Start, meldet einen Account an - Xbox 360 -, wählt einen Charakter, los geht es. Spielt einfach mit einem Generischen eine Runde mit oder nehmt euren Liebling, um ihn weiter hochzuzüchten. Es ist so supersimpel, wie so etwas nur sein kann und letztlich auch sein sollte. Das war dann auch der Moment, in dem für mich persönlich - und sicher auch viele andere - Diablo 3 endlich wirklich Spaß machte. Das Leveln als Selbstzweck habe ich nie akzeptiert, in keinem Spiel. Das Ausbauen des Charakters und das Optimieren seiner Kampfkraft ist der Unterbau eines Solo-Spiels, aber nie sein Inhalt. Diablo spielt man nicht allein, das macht keinen Sinn. Diablo spielt man entweder ambitioniert, um eine perfekte Kampftruppe mit Freunden aufzustellen, die jeden Level effizient säubert oder - mehr mein Ansatz - mit Freunden, ein paar Bier und der Aussicht auf ein paar Stunden unterhaltsames, perfekt spielbares und leicht hirnloses Dungeon-Crawling.

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Sehr aufgeräumt: In dem Kreis um den Helden herum findet ihr alle Ausrüstungsdetails, die einzelnen Stücke sind leicht vergleichbar und lassen sich für den schnelleren Verkauf oder die Weiterverarbeitung als Müll deklarieren.

Das funktioniert auch grandios, vor allem, weil die Loot-Verwaltung genau darauf ausgelegt wurde. Es gibt natürlich den großen Detail-Screen, auf dem ihr klein-klein alles genau vornehmt und sortiert, was sich so findet. Ist aufgeräumt, für das Pad durchdacht aufgebaut und letztlich das, was man erwarten würde. Viel wichtiger ist aber die direkte Funktion im laufenden Spiel einfach das neue Loot mit den Steuerkreuz-Tasten durchzuschalten und direkt ausrüsten oder auch wegwerfen zu können. So dauert es nur Sekunden, eine bessere Rüstung anzulegen ohne das Spiel für jeden unterbrechen zu müssen oder eben die für den eigenen Charakter ungeeignete Waffe jemand anderem zukommen zu lassen.

Das Einzige, was mich am Looten bisher störte, ist der Geiz des Systems. Ja, ich weiß, Diablo spielt man Monate und natürlich sollen es nicht sofort Epic Items regnen. Aber innerhalb von 20 Leveln hatte ich nicht ein einziges Mal das Gefühl, dass ich gerade etwas Nettes gefunden hätte. Es waren immer nur minimale Schritte in Richtung von mehr Punkten, aber diese eine Waffe, die dieses leichte Kribbeln auslöst, die einem für eine halbe Stunde das Gefühl minimaler Überlegenheit gibt, bevor die Monsterstärke es wieder relativiert, blieb mir bisher vorenthalten. Wenn das so weitergeht, weiß ich nicht, ob ich lange genug dabeibleibe, bis es vielleicht doch einmal passiert. Wie gesagt, Knauserigkeit mit wertvollen Items ist richtig und wichtig, aber ein klein wenig mehr Großzügigkeit darf es schon sein.

Was dagegen wirklich beeindruckend gut funktioniert und wieder im Zusammenhang mit dem Offline-Koop steht, ist die Umsetzung von vier Spielern auf einem Screen. Er zoomt weit genug heraus, ohne dass es zu fitzelig wird. Sollte ein Spieler mal stehenbleiben und nicht mit wollen, wird er nach kurzer Zeit in die Richtung zwangsteleportiert, in die die Mehrheit strebt. Der Versuch, in alle vier Himmelsrichtungen gleichzeitig durchzustarten, endete wenig überraschend im Chaos und darin, dass der Computer nie so genau wusste, in welche Richtung er nun die anderen nachholen sollte und so bleib es stationär. Aber das sind eh Extremsituationen und im normalen Spiel gab es nicht eine davon. Auf einem Screen, der groß genug ist - 40 Zoll oder mehr -, ist der Koop ein sehr übersichtliches und sortiertes Vergnügen, auch wenn die Funktion, sich die eigene Position per Tastendruck anzeigen zu lassen, im Gewühle eines Mobs schon durchaus mal genutzt wurde. Trotzdem, Kudos, das läuft.

Auch sonst kann sich das Spiel auf der Xbox sehen lassen. Die PC-Version ist durch die höhere und feiner gezeichnete Auflösung detaillierter und so insgesamt etwas hübscher, aber die Stimmung der Farben und Landschaften wurde getroffen und vor allem sind die Ladezeiten, zumindest auf die Platte installiert, praktisch nicht vorhanden. Ein, zwei Sekunden zwischen zwei großen Arealen, das ist ein durchaus ansehnlicher Wert und er hilft dem Spielfluss ungemein. Bugs gab es bisher auch nicht zu beklagen, und wenn man von einem leichten Tearing absieht, das nur die Empfindlicheren unter euch auf Dauer stören dürfte - die jetzt hiermit offiziell gewarnt sind -, ist das eine gelungene Umsetzung.

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So spielt es sich am schönsten: Jeder der vier Spieler sieht seine Fertigkeiten auf einen Blick und kann ohne Menüs frisches Loot anlegen oder aussortieren.

Sei dies jedoch wie es sei und alles noch so schön: Jenseits eines netten Samstags mit ein paar Freunden gibt es hier nichts, was mich länger hält. Das ist jetzt kein Vorwurf an das Spielsystem an sich. Es werden einfach nur andere Dinge betont als die, die mich auf Dauer interessieren. Diablo 3 setzt wie seine Vorgänger auch auf die Spielfigur als Zentrum des eigenen Kosmos, der sich mit dem Ausbau von Ausrüstung und Talenten erweitert, indem ihr besser alles niederhacken könnt. So sammelt ihr dann mehr Ausrüstung und Talente und setzt diese Endlosschleife bis zum Level-Cap fort. Weder das noch das Endgame mit seinen High-Level-Raids, PvP-Schlachten oder die Bewältigung des Knightmare-Modus reizen mich final. Sie sollten Mittel zum Zweck sein, in Diablo sind sie das Alpha und Omega. Also, wer das anders sieht und in dem, was Diablo 3 hier scheinbar sehr gekonnt bietet, seine Aufgabe sieht - ausgehend vom Erfolg der Reihe sind das nicht zu wenige: Mit der Konsolen-Version habt ihr nicht das Nachsehen. Eine elegantere, tadellosere und erfreulichere Umsetzung von etwas, das es erneut nicht schafft, mich irgendwie zu berühren, wird es so schnell wohl nicht geben.

Und während Frank das sicher anders sehen dürfte und sich mit dem Test und der Wertung herumschlägt, gehe ich mal gucken, was es an neuen Kampagnen-Packs für Shadowrun so gibt.

Quelle: Eurogamer.de

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