17. Juli 2013

Murdered: Soul Suspect - was nützt der lässigste Hut im Jenseits?

Eine Sache muss ich Murdered: Soul Suspect hoch anrechnen. Die Idee hinter der Aufmachung des Spiels wirkt überraschend frisch und schon die ersten Informationen machten wirklich helhörig: Ihr spielt einen Detektiv, der als Geist seinen eigenen Mord untersuchen und aufklären muss. Dabei helfen ihm nicht nur neu erlernte Fähigkeiten als Spektralwesen, sondern er wird ebenso von den eigenen Schwächen aufgehalten. Allein für diesen Ansatz sollte man den Titel im Hinterkopf behalten.

Auch der optische Stil gefällt überaus gut. Vielleicht liegt es nur an meiner persönlichen Vorliebe für blaue Farbtöne. Aber die Mixtur aus einer echten Welt und der verborgenen Geister-Ebene setzt frische Akzente, die meine Augen gerne willkommen heißen. Dass die Entwickler ihren Einfluss sogar mit den Hintergründen der Stadt Salem belegen, macht Hoffnung auf den späteren Verlauf. Ich zumindest lese mich gerne, durch Spielwelten angeregt, tiefer in die Geschichte verschiedener Orte oder Personen. Ob reales Ereignis oder von den Einwohnern verbreitete Volksmärchen, macht für mich keinen Unterschied. Solange es Bezüge zu unserer Welt hat, steigt meine Aufmerksamkeit in sonst unerreichte Höhen. Hoffen wir nur, dass man wirklich bei vorhandenen Mythen bleibt und sich nicht den Großteil selbst einfallen lässt.

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Würde Ronan mit seinem Bruder zusammenarbeiten, hätten wir die perfekte Vorlage für eine TV-Serie.

Die Umsetzung dieses Konzepts geschieht dabei ähnlich wie in Heavy Rain oder L.A. Noire mit den Mitteln eines Adventures der direkt gesteuerten, modernen Machart, ohne große Inventar-Puzzeleien. Als frisch Gestorbener bleibt Ronan's Geist am Tatort zurück und muss herausfinden, wie er auf die Fährte seines Mörders gelangt. Zu Beginn löst ihr viele Aufgaben dadurch, dass ihr in die entsprechende Person hineinschlüpft, kontrollieren dürft ihr sie dabei jedoch nicht. Vielleicht lernt Ronan diese Fähigkeit ja noch im späteren Verlauf? Bis hierhin lest ihr durch die Augen eures Ziels jedenfalls etwa niedergeschriebene Indizien, hört mit an, wie ein Polizistenkollege über euch lästert, und sortiert die durcheinander geratenen Gedanken einer aufgebrachten Zeugin, um weitere Hintergründe zur Tat zu erhalten.

Bei der Untersuchung seiner eigenen Leiche muss Ronan abschließend die richtigen Wörter aus einer kleinen Sammlung auswählen. Hier natürlich passend zu seiner Todesart. Diese Aufgabe gestaltet sich denkbar einfach, immerhin haben wir fünf Minuten zuvor in der Einleitung gesehen, wie er aus dem Fenster fällt und dann erschossen wird. Viele der Detektivaufgaben im jüngst veröffentlichen Gameplay-Video konzentrieren sich auf diese Mechanik: Sucht einen hervorgehobenen Gegenstand im Raum, wählt die eurer Meinung nach passenden Begriffe aus und ihr erhaltet anschließend, wenn ihr richtig lagt, eine Sequenz, die die Geschehnisse visualisiert. Hier ist natürlich vor allem die Frage interessant, ob Ronan später auch etwas mehr zum Grübeln bekommt und eingängiger beobachten muss, um auf die richtige Lösung zu kommen.

Die Mixtur aus einer echten Welt und der verborgenen Geister-Ebene setzt frische Akzente, die meine Augen gerne willkommen heißen.

Doch auch als Geist ist Ronan nicht sicher. In der Geisterebene halten sich Dämonen auf, Geister, die schon sehr lange hier gefangen sind und sich nun andere Leidensgenossen einverleiben, weil sie hoffen, so ihre Menschlichkeit zurückzuerlangen. Ronans wichtigste Fähigkeit, das Durchschreiten von Wänden und festen Gegenständen, kommt in der Konfrontation mit ihnen zum Tragen. Wenn sie euch von vorne erwischen, habt ihr keine Chance, von hinten hingegen macht ihr den durchsichtigen Sam Fisher und erledigt sie problemlos. Da man die Biester samt ihrer Sichtkegel durch mehrere Wände erkennen kann, während sie Ronan nur bemerken, sobald er direkt vor ihrer Nase steht, frage ich mich aktuell noch, wie Airtight Games den Kampf für den Ermittler mit "No Clip"-Modus interessant und die Dämonen gruselig halten will? Immerhin darf sich Ronan sogar in anderen Personen verstecken, um vollkommen unsichtbar zu werden und sogar Teleportieren ist möglich.

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Von den Nebenaufgaben mit mehr Informationen zur Spielwelt verspreche ich mir viel.

Allgemein scheint der Kampf aber eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Stattdessen gibt es mehr Umgebungserkundung und Beobachtung. Sogar manipulieren durfte Ronan einen Gegenstand. An einer Stelle drehte er nämlich einen Gasherd auf, damit eine andere Person darauf aufmerksam wird. Eine nette Idee, auch wenn in dieser Szene nicht der Grund für das Ablenkungsmanöver genannt wurde.

Allerdings kommt man deshalb auch ein wenig ins Grübeln: Anscheinend gab sich Airtight Games sehr viel Mühe, um Ronans Grenzen in der Welt zu erklären. Wegen christlicher Haustaufen kann er keine Außenfassaden passieren, dafür im Inneren aber jede Wand durchdringen. Also wie genau spielt er dann mit dem Gasherd, wenn er keine Objekte in der realen Welt bewegen oder sogar anfassen darf? Harren wir der Erklärungen und hoffentlich noch weiteren nützlichen Interaktionen, die uns Airtight Games in den kommenden Monaten präsentiert.

Die Prämisse und das Art Design von Murdered: Soul Suspect gefallen mir gut, obwohl einige Elemente noch Fragen aufwerfen, auf die ich lieber früher als später eine Antwort hätte. Die zum Einstieg gezeigten Elemente wirken auf mich recht einfach, einige Lösungen sehr offensichtlich, doch das kann auch daran liegen, dass wir es bei dem Gameplay-Video mit dem Einstieg zu tun haben. Aber der Grundstein ist gelegt. Wenn die Aufgaben abwechslungsreicher werden, eine höhere Aufmerksamkeit verlangen und weitere Fähigkeiten für Ronan die Interaktivität und Möglichkeiten in seiner Umgebung steigern, sollten alle Fans storylastiger Erfahrungen den Titel gut im Auge behalten.

Quelle: Eurogamer.de

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