18. Februar 2014

Warum ihr Vertrauen in South Park: Der Stab der Wahrheit haben solltet

Das größte Kompliment, das ich nach meinen zwei Stunden mit South Park: Der Stab der Wahrheit geben kann, ist recht simpel und dennoch von großer Bedeutung: Es nahm mir die Angst.

Ihr könnt aufatmen

Als jahrelanger Fan der Serie habe ich mich seit der Ankündigung auf kein anderes Spiel so sehr gefreut. Und gleichzeitig hegte ich niemals derartig große Sorgen. Dementsprechend zwiespältig war meine Vorfreude, als mich Ubisoft vor eine fast fertige Version setzte. Keine Restriktionen. Keine vorbehaltenen Inhalte. In diesen zwei Stunden konnte ich das Spiel für mich entdecken und der harten Wahrheit ins Gesicht blicken. Ist es wirklich gut? Und ob!

Besonders als eine Person, die jede Episode mehrfach gesehen hat und so manches Zitat im alltäglichen Leben benutzt, war es ein Fest freudiger Gefühle. Ein breites Grinsen setzte sich direkt zu Beginn auf mein Gesicht, wollte danach nicht mehr verschwinden und blieb sogar noch den restlichen Tag erhalten. Natürlich hängt viel davon mit eurem persönlichen Verhältnis zur Serie zusammen. Wer nur ab und an ein paar Folgen im Fernsehen guckt, erlebt sicherlich nicht die gleiche Ekstase eines Fans, der zum ersten Mal durch das Zimmer von Eric Cartman wandert und aus dem Staunen nicht mehr rauskommt.

Aber es ist nicht nur Erics Zimmer, das ihr besuchen dürft. Fast jedes wichtige Gebäude ist in der virtuellen Stadt vorhanden und, noch viel wichtiger, betretbar. Nach einer kurzen Einführung in die Handlung, bei der eure Figur zusammen mit seinen Eltern in die verschlafene Bergstadt zieht, dürft ihr euch frei in dem Ort umsehen. Anstatt also dem Verlauf der Hauptmission zu folgen, zwang mich meine Bewunderung zur ausgiebigen Erkundung. Sofort suchte ich auf der Karte nach Stans Haus und schritt durch die Vordertür. Dahinter begrüßte mich ein verschlafener und nur mit Unterhose bekleideter Randy von der Couch aus. Während mich sein verwirrter Blick verfolgte, stieg ich die Stufen nach oben und untersuchte Stans Zimmer. An der Wand hing das bekannte The-Street-Warrior-Poster. Ein seltsames Gefühl von Vertrautheit überkam mich. Dank der hervorragenden Optik sieht Der Stab der Wahrheit zu jederzeit aus wie eine Szene aus der Serie. Mit euch als Figur mittendrin. Ein Traum wird wahr.

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Entfernt die Benutzeroberfläche und es sieht aus wie ein Screenshot aus der Serie.

Das wahre Genie wartet allerdings in den unzähligen Referenzen und Witzen, mit denen euch das Spiel im Sekundentakt bombardiert. Natürlich nur, solange ihr auch die Welt untersucht. Beispielsweise öffnet ihr in Stans Zimmer seine Schranktür, um nach nützlichen Objekten zu suchen. Stattdessen rüttelt eine Person von innen am Schloss. Kurz darauf ertönt die parodierte Stimme von Tom Cruise: “I AM NEVER COMING OUT!“

Eine Fundgrube an Erinnerungen

Wer damit nichts anfangen kann, dem entgehen sicherlich viele Anspielungen, die man etwa als Items in das Spiel integrierte und immer zum Ort passen, an dem ihr sie findet. So liegen nur im Schlafzimmer von Cartmans Mutter ein paar Dildos mit äußerst kreativen Namen sowie eine Crackpfeife. Dafür teilen sich beide Figuren die Antonio-Banderas-Liebespuppe. Ebenso liegt im gleichen Haus eine CD von Faith+1. Das gleiche Album wartet allerdings auch bei Token und Butters auf eure Entdeckung. Es zeigt die Liebe zum Detail. Selbst bei den kleinsten Witzen gab man sich Mühe und jedes Objekt findet seine passende Verwendung. Entweder dienen sie als Ausrüstungsgegenstand, helfen euch in Kämpfen oder ihr verkauft sie in den Läden. Es gestaltet die Erkundung sämtlicher Gebiete um einiges wertvoller und reichert nebenher die Welt an.

Das wahre Genie wartet in den unzähligen Referenzen und Witzen, mit denen euch das Spiel im Sekundentakt bombardiert.

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Eine deutsche Vertonung ist nicht enthalten. Dafür aber übersetzte Bildschirmtexte. Glaubt mir, es ist besser so.

Der zentralen Handlung bin ich leider nur sehr wenig gefolgt. Jedoch entdeckte ich in wenigen Minuten mehrere Nebenaufträge nach meinen Gesprächen mit Jimbo, Mr. Slave oder Al Gore. Ihr braucht euch daher sicherlich keine Sorgen über ein lineares Abenteuer zu machen. Rechnet nur nicht mit einer gigantischen Welt. Schließlich ist South Park ein eher kleines Städtchen, dessen Version sich hier auf die wichtigsten Einrichtungen konzentriert. Dafür verschwendete das Team bei Obsidian keinen Zentimeter. Zudem fand ich mehrere versperrte Wege, die zu den bereits in Bildern gezeigten Unterhosenwichteln oder satanistisch veranlagten Waldtieren führen könnten. Die Gewissheit folgt leider erst mit der fertigen Version. Genauso wenig kann ich von Entscheidungen abseits der Charaktererstellung erzählen. Ich traf nämlich auf keine. Ob euch sogar verschiedene Enden oder Quest-Verläufe wie in Witcher 2 erwarten, bleibt abzuwarten.

Da es sich bei Der Stab der Wahrheit um ein Rollenspiel handelt, stehen die damit verbundenen Mechaniken natürlich ebenso im Vordergrund wie Handlung und Entdeckung. Außerhalb der Kämpfe rüstet ihr euch beispielsweise mit dem Bart der bösen Doppelgänger aus oder legt andere Kleidungsstücke an. Durch Erfahrungspunkte steigt ihr maximal bis auf Stufe 50, wobei ich in zwei Stunden gerade einmal den vierten Charakterlevel erreichen konnte. Durch das Aufleveln schaltet ihr neue Fertigkeiten frei und investiert unterschiedliche Werte in eure Attribute. Abhängig von der gewählten Klasse bieten sich euch hier verschiedene Möglichkeiten. Da ich mir die Judenklasse unbedingt für meinen richtigen Durchgang aufsparen wollte, verbrachte ich meine Zeit mit dem Krieger. Dieser erlernte recht früh die Attacke 'Rambolen', bei der ihr eurem Gegner einen Tritt in die Weichteile verpasst und ihn damit sogar betäubt.

“Lass es und ausrambolen!“

Kämpfe orientieren sich stark am Prinzip von Paper Mario. Von euren Begleitern, darunter auch Butters oder Prinzessin Kenny, sucht ihr euch eine aktive Figur aus. Zusammen attackiert ihr abwechselnd feindliche Kindertruppen, Drogenabhängige oder Hippies. Alles verläuft nach einem rundenbasierten Prinzip, bei dem ihr durch gutes Timing eure Angriffe verstärkt oder Attacken blockt. Dieser Aufbau verhindert eine Verwässerung des Gameplays zu einem langweiligen Dauertippen einer Taste, während ihr gelangweilt über euer Mittagessen nachdenkt. Außerdem kriegt ihr ansonsten ordentlich auf die Fresse.

Kämpfe verlaufen nach einem rundenbasierten Prinzip, bei dem ihr durch gutes Timing eure Angriffe verstärkt oder Attacken blockt.

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Craaaaab people! Craaaaab people!

Sicherlich kein schweres Spiel, verlangt Der Stab der Wahrheit dennoch eure Aufmerksamkeit. Viele der Auseinandersetzungen führten schnell zum Tod eines Charakters, weil ich nicht im richtigen Moment geblockt hatte oder die falschen Attacken einsetzte. Sobald ich jedoch mehr Überlegung in meine Aktionen investierte und das Timing befolgte, wendete das sich Blatt schlagartig zu meinen Gunsten. Den ersten Zwischenboss erlegte ich sogar ohne einen einzigen Gegentreffer. Bei Gruppen gestaltet es sich um einiges schwieriger. Feinde in der hinteren Reihe könnt ihr nämlich nur mit einem Bogen erwischen. Darüber hinaus wollen gegnerische Rüstungen beachtet werden, die wiederum mit bestimmten Attacken leichter bröckeln. Zur Hilfe verwendet ihr in solchen Situationen nützliche Items. Werft einen Kothaufen zur Vergiftung auf den Feind oder trinkt eine Tasse Kaffee für einen weiteren Zug. Da ihr vor jedem Angriff einen Gegenstand einsetzen dürft, spielen sie schon früh eine gewichtige Rolle.

Zwar wird sich erst über eine sehr viel längere Zeit die wahre Qualität des Kampfsystems zeigen, doch machte es auf mich einen guten Eindruck. Simpel zu erlernen, damit jeder Fan problemlos Spaß haben kann, und dennoch fordernd genug mit der nötigen Portion Tiefgang, um nicht zum Selbstläufer zu mutieren. Nach dem kurzen Einblick stelle ich es sogar ein wenig über das System von Paper Mario, da es euch stärker bestraft und weitere Feinheiten hinzufügt.

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, dass mich South Park: Der Stab der Wahrheit in allen Bereichen überzeugte. Sowohl den Fan in mir als auch den Spieler. Eine bisher großartige Verschmelzung, von der ich unbedingt mehr sehen möchte. Ich weiß, dass ich mir eine gewisse Skepsis vorbehalten muss, doch fällt es mir zunehmend schwer, wenn ich an die bisherige Zeit mit dem Titel zurückdenke. Zwar kann ich nicht versprechen, dass sich das hohe Niveau über ein gesamtes Spiel streckt oder sich gewisse Elemente im längeren Verlauf nicht als fruchtlos entpuppen, doch müsste schon ziemlich viel schiefgehen, damit uns hier ein Flop erwartet.

Quelle: Eurogamer.de

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