13. Februar 2014

Warum Titanfall mein 'Shooter der Herzen' wird...

Ein Teamkamerad neben mir sinkt zu Boden, dem nächsten Schuss des Snipers entgehe ich nur um Haaresbreite. Der feindliche 'Pilot' hat es sich auf dem Dach gegenüber gemütlich gemacht und dezimiert unsere KI-Mitstreiter im Dutzend. Der Kollege neben mir erkennt die Lage und klopft mir auf die Schulter. Wir sitzen gerade bei EAs Titanfall-Event in München an einem langen Tisch voller PCs. Im Nebenraum hämmern Spielejournalisten auf Xbox-One-Gamepads herum. Leider kein plattformübergreifendes Spiel, aber eine gute Gelegenheit, beide Versionen zu begutachten. "Follow me", bittet der Kollege mit finnischem Akzent, dann rennt sein Pilot zum Hinterausgang.

Wir nähern uns dem Gebäude von der Rückseite, um nicht dem Sniper vor die Flinte zu laufen. Dort stehen wir plötzlich vor einer senkrechten Wand - normalerweise gäbe es keine Chance, unbemerkt auf das Dach zu kommen. Doch der Finne nimmt Anlauf, vollführt einen Doppelsprung, läuft ein paar Meter die Wand entlang nach rechts, springt ab, landet an einem benachbarten Mauerrest, stößt sich wieder ab und kommt nach einem weiteren Doppelsprung auf dem Dach zum Stehen. Shinobi meets Parcours. Ich bin beeindruckt. Nicht nur, weil ihm diese akrobatische Meisterleistung auf Anhieb gelingt, sondern weil ich kurz darauf auf demselben Weg folgen kann. Die Steuerung von Titanfall ist ohne Tadel, die Manöver gehen nach wenigen Minuten flüssig von der Hand, ob mit Maus und Tastatur oder per Gamepad. Zur Not durchläuft man das ausgezeichnete Tutorial und hat zehn Minuten später alle Moves in petto. Dass der Sniper wenig später einem Nahkampf-Takedown meines Kameraden zum Opfer fällt, ist die Krönung dieses Intermezzos.

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Yehaaw! Auf einem Mech Rodeo zu reiten und ihm Kugeln in die Metalldärme zu jagen ist genau mein Ding!

Es gibt an diesem Tag viele solcher Momente, in denen mir Titanfall ans Herz wächst. Der Titel will gefallen. Er schenkt Erfolgserlebnisse, wo andere Mehrspieler-Shooter euch erst einmal hundertfach ins Gras beißen lassen. Ob die Profi-Klientel Titanfall in ihren Laufwerken duldet, ist daher alles andere als ausgemacht. Die Starterpistole? Zielt automatisch. Sogar auf mehrere Feinde gleichzeitig. NPC-Soldaten tummeln sich auf dem Schlachtfeld als Kanonenfutter und zur Rückendeckung. Ein zeitlich begrenzter Tarnmodus erschwert feindlichen Scharfschützen die Arbeit. Die Steuerung ist - wie gesagt - eingängig und erlaubt kinderleicht spektakuläre Manöver. Im Cockpit eines Titan stürmen sogar Anfänger selbstbewusst an die Front. Ob E-Sportler den Titel ernst nehmen werden? 60 FPS sagen "ja", der Rest sagt "denke eher nicht". Ist mir aber wurscht. Ich finde das Spiel erfrischend und habe Spaß.

Ein Rosinenbrötchen für Kritiker

Das Urteil "Call of Duty mit Mechs" hörte ich recht häufig während des Events. Dass sich der Titel spielerisch wenig abhebt von den CoDs und Battlefields da draußen, lässt sich kaum bestreiten. Auf zwei Karten spielten wir die üblichen Modi: Team-Deathmatch, 'Last-Titan-Standing' (sind all eure Roboter zerstört, habt ihr verloren) und 'Hardpoints' (drei Punkte erobern und halten). Respawn Entertaiment serviert eher Konsenssoße als Innovationen. Immer den Publikumsgeschmack im Blick. Es gäbe trotzdem genug Stoff, um das Spiel zu zerpflücken.

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Mensch gegen Killermaschine - nicht unbedingt ein ungleicher Kampf.

An der Bildwiederholrate gab es (wie erwartet) nichts auszusetzen, doch auf dem PC sah Titanfall dank höherer Auflösung am schönsten aus

Zum Beispiel die Entscheidung, nur sechs menschliche Spieler pro Seite ins Feld zu lassen. Die wird von Respawn leidenschaftlich mit internen Tests, Übersichtlichkeit und Gameplay begründet. Ich würde das Dutzend zusätzlicher KI-Soldaten trotzdem lieber durch menschliche Pendants ersetzen können. Der Fokus auf 60 FPS ist löblich, doch 'Resolutiongate' bleibt ein heißes Eisen. Ich habe beide Testbuilds auf dem Event gesehen. An der Bildwiederholrate gab es (wie erwartet) nichts auszusetzen. Doch auf dem PC sah Titanfall dank höherer Auflösung schöner aus. Insgesamt schärfer. Die Kanten verliefen dank moderner Hardware unterm Tisch (Intel I7-4770 @ 3,4 GHz, 16 GB RAM, Nvidia GeForce GTX 770, Win7 64 Bit) sauberer als auf der Xbox One nebenan.

Sowohl auf Microsofts Next-Gen-Konsole als auch am PC trübten gelegentlich verwaschene Texturen das Gesamtbild. Die bemerkt man nur während der seltenen ruhigen Momente, wenn man vor einer betroffenen Wand oder einem unscharf texturierten Autowrack steht. Könnte allerdings auch der Testfassung geschuldet sein. Wer mehr ins technische Detail gehen will, sei auf die Analysen der englischen Kollegen verwiesen, deren Videos ich hier nochmals eingebettet habe. Darin gewinnt ihr einen recht präzisen Eindruck vom Spiel in Bewegung. Es schaut toll aus, aber eine Grafikreferenz wird Titanfall nicht.

Quelle: Eurogamer.de

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